Wir Oberliner

Was macht uns aus? Was macht uns stark? Und warum lohnt es sich, darüber nachzudenken?

Fast jeden Monat findet in der Oberlinkirche der Willkommenssegen statt, in dem neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Andacht begrüßt werden. Langjährige und neue Mitarbeitende kommen für 30 Minuten zusammen, um miteinander zu feiern. Und jedes Mal, wenn ich die neuen Kolleginnen und Kollegen in der Andacht anrede, dann benutze ich die Worte „Liebe Oberliner“.

Das mag für neu Ankommende zunächst befremdlich und ungewöhnlich klingen. Viele unserer 1.800 Mitarbeitenden haben dieses Selbstverständnis schon verinnerlicht: Man ist Oberliner, denn man gehört dazu. Und dieses Dazugehören macht sich nicht an einer formalen Betriebszugehörigkeit fest, sondern an einer Identifikation mit dem, was hier im Oberlinhaus passiert.

Ein Band um alle Standorte

Im Oberlinhaus werden seit über 140 Jahren Menschen begleitet und betreut, die im Leben schwerere Startvoraussetzungen hatten als andere. Für sie gute Arbeit und Begleitung zu ermöglichen, das ist der Auftrag, der für das Oberlinhaus charakteristisch ist. Um diesen Auftrag herum haben sich professionelle Arbeitsstrukturen entwickelt. Es gibt Servicebereiche, ohne die die Arbeit mit Bewohnern, Patienten oder Schülern gar nicht möglich wäre. Und das einende Band all dieser Bereiche an unterschiedlichen Standorten in Potsdam und Brandenburg, ist das Oberlinhaus. Und alle, die daran mitwirken, sind Oberliner.

Ein Band um uns alle?

Eine eigene sinnstiftende und berufsspezifische Oberlin-Identität zu entwickeln, das haben Menschen seit vielen Generationen hier erlebt. Am Anfang waren es Diakonissen, die das besonders verkörpert haben. Mit der Anstellung von zivilen Beschäftigten ging einher, dass die Frage der Identität neu gestellt wurde. Wie stehe ich zum Oberlinhaus? Wie nahe ist mir mein Arbeitsplatz, an dem ich immerhin ein Drittel meines Tages verbringe? Wir wissen, dass das, was im Arbeitsprozess passiert, auch auf unser Leben jenseits des Arbeitsplatzes abstrahlt. Manchmal nehmen wir Freude oder auch schwierige Ereignisse mit nach Hause, um sie mit unseren Familien zu besprechen.

Oberlinkirche – Gottesdienst mit allen Sinnen

Oberlinkirche – Gottesdienst mit allen Sinnen

Niemand ist eine Insel. Alle Menschen leben in Beziehungen, in privaten und in beruflichen. Deshalb ist es uns als Vorstand und den Geschäftsführungen wichtig, dass wir Voraussetzungen schaffen, die dazu beitragen, dass auch künftig eine Oberlin-Identität entwickelt werden kann.

Wie verändert sich unsere diakonische Identität?

Es leben noch fünf Diakonissen im Oberlinhaus, die über Jahrzehnte mit ihrer Arbeit und ihrem Glauben das Haus gestaltet haben. Seit vielen Jahren gehören auch Menschen zu den Mitarbeitenden, die keine nähere Beziehung zum christlichen Glauben und der Kirche haben. Für das Oberlinhaus stellt sich deshalb auch die Frage nach der diakonischen Identität. Wie gestaltet sich künftig die diakonische und christliche Prägung des Oberlinhaus? Was sind die neuen Aufgaben? Genau an diesen Themen arbeiten seit Anfang des Jahres zehn Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Gesellschaften. Ende dieses Jahres soll dazu eine Broschüre veröffentlichen werden, in der der Schwerpunkt der diakonischen Identität aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Wir sind uns sicher, dass das Diakonische in zwei Fundamenten begründet liegt: 1. in der Motivation und dem ursächlichen Antrieb des Einzelnen und 2. in der Tatsache, dass das Oberlinhaus als Ganzes ein christlich geprägtes Unternehmen ist.

Der christliche Glaube hat seit vielen Generationen dieses Haus stark gemacht

Von allen Mitarbeitenden erwarten wir, dass sie dieses Selbstverständnis mittragen. Auch dann, wenn jemand keine persönliche Beziehung zum christlichen Glauben hat. Das mag auch ein Lernprozess sein, aber es ist für die Prägung des Oberlinhaus unerlässlich. Loyalität zu den christlichen Wurzeln und dem heutigen Charakter des Hauses, das Mittragen des besonderen Geistes im Oberlinhaus, die Frage nach dem Verständnis von diakonischer Identität – all das wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Wir sind sicher, gute Antworten werden in einem immer härter werdenden Sozialmarkt auch ein Wettbewerbsvorteil sein. Das unterscheidet das Oberlinhaus von anderen  ozialeinrichtungen, die auch gute Arbeit leisten.

Wir sehen uns auch als „Kulturpräger“ – jede und jeder Einzelne. Manchmal sind es schon kleine Aspekte, die diese Kultur prägen: der kollegiale Umgang, das Feiern und das Trösten, die Aufmerksamkeit für den Kollegen und die Kollegin, die Andachten und Gottesdienste, die Offenheit für Neues. Unsere Aufgabe ist es, diese Gedanken selbst zu leben und an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Wenn uns das gelingt, dann ist die Begrüßung der neuen Mitarbeitenden beim Willkommenssegen als Oberliner nicht nur eine freundliche Anrede, sondern Teil eines Programms. Ein Programm, das darauf hinausläuft, dass wir gemeinsam eine Oberlin-Identität prägen.

Andachten, Gottesdienste, Willkommenssegen – viele Möglichkeiten, dass Oberliner untereinander ins Gespräch kommen

Andachten, Gottesdienste, Willkommenssegen – viele Möglichkeiten, dass Oberliner untereinander ins Gespräch kommen

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