Ein Modell der Wirbelsäule wird einem Patienten gezeigt.

Wann werden Wirbelsäulen-Operationen notwendig?

Patientenforum am 3. Juni 2016: Ist jeder Eingriff notwendig?

Die Wirbelsäule ist einer der am meisten strapazierten Körperteile des Menschen. Kein Wunder also, dass Rückenschmerzen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland gehören. Dies rechtfertige jedoch nicht die stetig wachsende Zahl an Rücken-OPs, meint Dr. med. Sascha Schneider, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Oberarzt in der Abteilung Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie unserer Oberlinklinik. Beim Großen Patientenforum Orthopädie am 3. Juni 2016 diskutiert er in seinem Vortrag die Frage: „Operation an der Wirbelsäule – Ist jeder Eingriff notwendig?“

Seit Jahren steigt die Zahl der Rückenschmerzgeplagten. Das liegt neben altersbedingten Verschleißerscheinungen auch am modernen Lebensstil: Wer sich zu wenig bewegt und überzählige Kilos auf den Hüften hat, mutet seinem Körper viel zu. Dr. med. Axel Reinhardt, Chefarzt der Abteilung Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie, ist sich sicher: „Bei Beschwerden im Rückenbereich helfen in 90 Prozent aller Fälle konservative Behandlungsmethoden wie zum Beispiel Ergo- oder Physiotherapie“. Tatsächlich wird nur etwa einem von sieben Patienten, die sich in unserer Wirbelsäulensprechstunde vorstellen, auch eine Operation empfohlen.

Die Schaufensterkrankheit

Die häufigste Ursache für Wirbelsäuleneingriffe oberhalb des 65. Lebensjahres ist die Spinalkanalstenose (verschleißbedingte Wirbelkanalenge), auch Schaufensterkrankheit genannt. Hierbei können selbst geringe Wegstrecken nur noch mit Unterbrechungen zurückgelegt werden. In anderen Fällen verlieren Bandscheiben ihre Elastizität und es entsteht ein Bandscheibenvorfall. Der Druck auf umliegende Nerven erzeugt Schmerzen in Rücken und Beinen, teilweise auch Taubheitsgefühle bzw. Lähmungen in Armen und Beinen bis hin zu Blasenentleerungsstörungen.

Zuerst eine genaue Diagnose

Nicht immer ist sofort eine OP angezeigt. Dr. med. Sascha Schneider wägt die verschiedenen Therapieoptionen sorgfältig gegeneinander ab.

Nicht immer ist sofort eine OP angezeigt. Dr. med. Sascha Schneider wägt die verschiedenen Therapieoptionen sorgfältig gegeneinander ab.

„Für eine erfolgreiche Behandlung gehen wir sehr sorgfältig und streng bei der Indikationsstellung vor“, so der Oberarzt Dr. med. Schneider. Zunächst muss nach den exakten Ursachen mit Hilfe von bildgebenden Verfahren geforscht werden. Diese Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder können nur von einem Spezialisten ausgewertet werden. Erst dann kann ein individuell auf den Patienten zugeschnittener Therapieplan nach dem Motto „so wenig wie möglich, soviel als nötig“ festgelegt werden.

Besser abgesichert durch zweite Meinung

Die Oberlinklinik in Potsdam bietet im Bereich Orthopädie eine ärztliche Zweitmeinung an. In einem Beratungstermin vor geplanten Operationen wird geprüft, ob alternative Behandlungswege ausgeschöpft wurden. „In der Zweitmeinungssprechstunde gewinnen Patienten gerade durch den Kontakt mit Arzt und Therapeut größere Sicherheit über ihre Situation und die Behandlungsmöglichkeiten“, so Dr. med. Schneider.

Konservativ oder operativ?

Eine erfolgreiche Behandlung setzt eine genaue Diagnose voraus.

Eine erfolgreiche Behandlung setzt eine genaue Diagnose voraus.

„Zunächst sollten über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen alle konservativen Methoden mit Medikamenten, Schmerzspritzen und Physiotherapie ausgeschöpft werden“, empfiehlt der Oberarzt. Für konservative Behandlungswege ist in der Tagesklinik ein umfangreiches Therapieangebot ausgebaut. Es umfasst die Schmerz-, Physio- und Ergotherapie, Bewegungsschulung sowie alternative Methoden wie ayurvedische Medizin. „Tritt keine Besserung ein, treten neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Gefühls- bzw. Blasen- und Mastdarmstörungen auf oder können Patienten nur noch einige hundert Meter gehen, sollte zeitnah operiert werden“, so Dr. med. Schneider. Unsere Abteilung Wirbelsäulenchirurgie ist die größte in Berlin-Brandenburg und gehört mit mehr als 1.100 Operationen jährlich – darunter viele unterschiedliche schonende Verfahren – zu den zehn größten in ganz Deutschland. Als eine der wenigen Kliniken deutschlandweit wird hier beispielsweise die gewebeschonende XLIF(eXtrem Lateral Interbody Fusion)-Operationsmethode bei degenerierten Wirbelsäulenerkrankungen angewendet.

Großes Patientenforum Orthopädie

Freitag, 3. Juni 2016, ab 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Oberlinschule, Rudolf-Breitscheid-Straße 24, 14482 Potsdam-Babelsberg

15 Uhr: Der schonende Weg zum künstlichen Hüftgelenk
16 Uhr: Schneller, besser auf die Beine – Kniegelenksersatz heute
17 Uhr: Möglichkeiten gelenkerhaltender Therapie
18 Uhr: Was leistet die moderne Fußchirurgie?
19 Uhr: Operationen an der Wirbelsäule – Ist jeder Eingriff notwendig?