Diakonisch kann jeder

Diakonin Daniela Krause-Wack im Gespräch mit Diakonissen und Diakonischen Schwestern

Regelmäßig erklimme ich die Stufen des Olymp im Feierabendhaus. Ja, im Oberlinhaus gibt es einen Olymp – so wird die oberste Etage des Feierabendhauses genannt. Dort treffen sich die Diakonissen und Diakonischen Schwestern zu Andachten, zu  Schwesternnachmittagen – aber auch zu Geburtstagen.

Heute ist wieder Schwesternnachmittag. Wie jeden Montag sitzen wir mit einem Thema, Kaffee und Kuchen zusammen. Heute werden wir über das Diakonissen- bzw. diakonische Schwestern-Dasein sprechen. Das Gespräch nimmt seinen Lauf. Ich erzähle von diesem Artikel im Oberliner. Ein Wunsch kommt auf: „Wenn Sie einen Artikel über uns schreiben, dann schreiben Sie doch bitte mal was Diakonie ist. Schließlich sind wir Diakonissen und Diakonische Schwestern.“

Was heißt noch einmal Diakonie?

Diakonische Schwestern1986Diakonie bezeichnet das soziale Handeln von Kirche und ist sowohl ein biblischer Begriff als auch ein Organisationsbegriff. Im biblischen Sinne stammt der Begriff Diakonie aus dem Griechischen und wird als διακονία diakonia ‚Dienst‘ von διάκονος‚Diener‘ übersetzt. Der Begriff des Dienens ist im biblischen Sinne eng mit dem Tischdienst verknüpft. Erst vor wenigen Jahren wurde eine Begriffserweiterung „Das Zwischengehen und Vermittlung“ durch neue Forschungen ergänzt.

Den Begriff des „Dienens“ nahmen die Erfinder der neuzeitlichen Diakonie, Theodor Fliedner und Johann Hinrich Wichern, auf und deuteten ihn gemäß ihrer Zeit als Synonym für Gehorsam und Unterwürfigkeit im Dienst am Nächsten. Die beiden lebten Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts und suchten Antworten auf die Folgen der Industrialisierung, auf Verarmung und Not, aber auch auf eine ihrer Meinung nach „versteinerten“ Kirche, die ihr Wesen „Christi Kirche zu sein“ aus dem Blick verloren hatte. So entwickelten sie eine kirchliche, geistliche Soziale Arbeit und begründeten dazu eigene Berufungen – die der Diakonissen und Diakone, später auch der Diakonischen Schwestern.

IMG_3917Diakonisch kann jeder

Wir sitzen zusammen im Olymp – fünf Diakonissen, drei Diakonische Schwestern, eine Diakonin – und denken nach: „Was ist für uns diakonisch?“ Diakonisch ist es, sich in den Dienst des Mitmenschen zu stellen. Ihm als Mensch zu begegnen, auch wenn er eben nicht gerade nett ist. Diakonisch heißt, für andere da zu sein und anderen zu dienen. Entscheidend ist die Verbindung vom Glauben an Jesus Christus und der Sozialen Hilfe. Diakonisch sein bedeutet, zu wissen, dass Menschen auch eine religiöse Seite haben. Diakonisch bedeutet, für jemanden einstehen. Diakonisch bedeutet, dass Menschen von Gott geliebt sind. Diakonisch handeln kann jeder. Es kommt nicht auf den Glauben an Gott an, sondern auf das Helfen. Im Helfen zeigt sich ein Stückchen Himmel. (Zu) große Worte? Ja, vielleicht schon. Jesus war ein Freund kleiner, klarer Regeln und drückte es einmal so aus: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind – das habt ihr für mich getan.“ (Basisbibel, Mt. 25, 40b) Der Mensch rückt in das Blickfeld der Menschen. Dazu muss man keine Diakonisse, Diakonische Schwester oder kein Diakon sein. An solche Einteilungen hatte Jesus bestimmt nicht gedacht. Diakonisch handeln kann jeder Mensch, der den Menschen in den Blick nimmt, ihn unterstützt und hilft. Nicht ohne Grund nennt sich das katholische Pendant zu Diakonie Caritas – Liebe.

Terminhinweis
20. September 2015, 11 Uhr
Diakonie-Sonntag „Nachbarschaft gemeinsam feiern. Diakonisches entdecken.“
Friedenskirche, dann Oberlin-Gelände