Buchtipp: „Zu Hause im Heim“

Ein Buch über die Arbeit in unserer Wohnstätte für taubblinde Kinder

Im Buch „Zu Hause im Heim“ geht es um Menschen – genauer gesagt um Kinder mit schweren Behinderungen, deren Familien und deren Begleiterinnen in einem Heim für diese Kinder. Wenn Sie etwas erfahren wollen über das Leben von Familien mit einem solchen Kind, dann finden Sie hier Antworten. Wollen Sie wissen, wie es sich in einem Heim für behinderte Kinder lebt, welche Menschen dort arbeiten und wie diese Arbeit organisiert wird, dann folgen Sie der Einladung der Autorin Katherine Biesecke, Bereichsleiterin Wohnen für Menschen mit Taubblindheit im Oberlinhaus, in unsere Wohnstätte für taubblinde Kinder und Jugendliche.

Vor etwa zwei Jahren ging Katherine Biesecke mit einem Kollegen aus einem angrenzenden Arbeitsbereich durch das Hertha-Schulz-Haus. Zum Ende der Besprechung wollte sie ihm noch etwas von der schönen Arbeit dort zeigen. Sie gingen in eine Wohngruppe und die kleine Kira (Name geändert) kam freudig in ihrem kleinen Rollstuhl auf sie zugefahren. Das Mädchen begrüßte sie mit einem neugierigen: „Hallo!“ Katherine Biesecke drehte sich zu ihrem Kollegen um und sah, wie er fluchtartig die Wohngruppe verließ. Draußen vor der Tür erwartete er sie mit entsetztem Blick. „Ich kann das nicht sehen, ich finde, Kinder gehören in ihre Familien und nicht in ein solches Heim.“

Buchcover von "Zu Hause im Heim"

Buchcover von „Zu Hause im Heim“

Derartige Reaktionen erlebt sie immer wieder, wenn sie von dieser Arbeit berichtet: Entsetzen, Ablehnung, Unverständnis. Oder Mitleid. So hatte sie die Idee, die Arbeit in diesem Haus für Außenstehende erfahrbar zu machen. Sie wollte Menschen und auch Kollegen/-innen aus angrenzenden Bereichen einladen, näher hin zu sehen und einen Eindruck von dieser Arbeit zu bekommen. Sie wollte den Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben, die dort wohnen: wertschätzend und würdevoll. Und sie hat ihre  Eltern interviewt: Sie schildern, wie die Geburt eines behinderten Kindes ihr Familienleben völlig auf den Kopf gestellt hat und wie schwer es dennoch für sie war, die Entscheidung zu treffen, dass ihr Kind auch außerhalb der Familie aufwachsen soll. Das Wort Heim ist öffentlich nur negativ besetzt, ein Stigma, das den Eltern eine solche Entscheidung noch einmal zusätzlich erschwert.

Noch eins wird deutlich: die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in einem solchen Haus wird gesellschaftlich – auch unter Professionellen – bis heute weder ausreichend gesehen noch anerkannt. Im Heim wird gewohnt, und wohnen, das macht schließlich jeder irgendwie. Worin besteht diese Arbeit, welches sind die täglichen Schwierigkeiten und Kämpfe der Kolleginnen und was ist das Besondere daran? Das alles erfahren Sie in dem Buch „Zu Hause im Heim“. Und Sie nehmen Anteil am Leben dieser wunderbaren Kinder. Das Buch ist im Buchhandel sowie bei amazon erhältlich, ISBN 978-3-74112-6114-5. Aktuell können Sie es auch in der Cafetería der Oberlinklinik kaufen. Preis: Printausgabe 12 Euro , E-book 3,99 Euro.

 

Lesen Sie hier ein ausführliches Interview von Katherine Biesecke mit der Märkischen Allgemeinen.