Brauchen wir in Brandenburg Förderschulen?

So einfach die Frage in der Überschrift gestellt ist, so klar muss sie auch aus jetziger Sicht mit „ja“ beantwortet werden. Zunächst ist es wichtig, zu wissen, dass es sehr verschiedene Förderschulen gibt, z. B. Schulen mit dem Förderschwerpunkt Hören oder Sehen oder körperlich-motorische Entwicklung. Aber zunehmend finden wir weniger Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale soziale Entwicklung oder Sprache. Jedoch gibt es auch hier angegliedert an Grundschulen noch Förderklassen, die weiterhin ein sehr spezifisches, fachliches Angebot ermöglichen. Einige Förderschulen haben sich auch spezialisiert auf Schülerinnen und Schüler mit mehrfachen und verschiedenen Förderbedarfen. Es ist bestimmt möglich, eine Barrierefreiheit in fast allen Schulen herzustellen, dazu gehören u. a. Rampen und breite Türen für Rolli-Fahrer.

Aber nicht in jeder Schule wird es in naher Zukunft eine ausreichende Fachkompetenz für Gebärdensprache, für die Anwendung der Blindenschrift, die Berücksichtigung körperlich-motorischer Besonderheiten oder spezielle Förderkonzepte zur Verhaltensregulierung geben. Schülerinnen und Schüler mit Autismus brauchen individuell strukturierte und sehr verlässliche Lernbedingungen. Es wird noch viele Jahre und Jahrzehnte dauern, bevor all diese Fachlichkeiten in jeder Schule umgesetzt werden können.

Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer hohen differenzierten Fachlichkeit abhängig ist. Wir wissen, dass es nicht einen Arzt für alle Fachrichtungen gibt, nicht einen Anwalt oder nicht einen Ingenieur, der alle Fachgebiete abdeckt. Es ist auch schnell nachvollziehbar, dass nicht jeder Lehrer alle Fächer, wie beispielsweise Latein oder Biologie unterrichten kann. Es muss der Anspruch sein, dass für Schülerinnen und Schüler mit speziellen Förderbedarfen aufgrund von Blindheit, Gehörlosigkeit oder psychiatrischen Erkrankungen, ausgebildete Fachpädagogen diese besondere Förderarbeit in hoher Qualität verantworten.

Um diesen sehr unterschiedlichen Anforde-rungen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden, wird es auch zukünftig noch Förderschulen geben.

Aber für alle Schulen gilt die wichtige Aufgabe, mit den Unterrichts- und Fachangeboten und mit freudvollen Lernaktivitäten die Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf auf das weitere Leben vorzubereiten. So auch in unserer Förderschule, der Oberlinschule mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung. Über 280 Schülerinnen und Schüler lernen jetzt an der Oberlinschule. Die Nachfrage ist von den Eltern, Schülern und Fachleuten ungebrochen hoch. Alle Eltern wünschen sich eine bestmögliche pädagogische Förderung für ihre Kinder, verbunden mit erforderlichen Therapien und anderen besonderen Unterstützungen und eine intensive Teilhabe am gesamten Leben in der Stadt und in der Gesellschaft.

Solange nicht jede spezifische sonderpädagogische Fachlichkeit in allen Schulen, für alle Schüler, ohne Einschränkungen gegeben ist, solange wird es auch besondere Schulangebote wie die der Oberlinschule oder der Schule am Norberthaus in Michendorf geben.