Arbeiten mit Handicap

Einblicke in die Oberlin Werkstätten

Behutsam legt Rita das antike Buch auf den Scanner. Voller Konzentration streicht sie vorsichtig eine Buchseite in altdeutscher Schrift glatt. „Besonders gerne arbeite ich mit Dokumenten zur Regionalgeschichte.“ Oft ist dies der Fall bei Aufträgen für das Landesarchiv Brandenburg. Rita ist beschäftigt in den Oberlin Werkstätten auf Hermannswerder.

Die Gründung der Oberlin Werkstätten

im Oberlinhaus erfolgte 1992 gemeinsam mit der Hoffbauer-Stiftung und verband die lange Tradition der Oberlin-Werkstätten mit den Erfahrungen der Hoffbauer-Stiftung. Im Jahr 2002 konnten die Werkstätten vom Gelände in Babelsberg in den Neubau auf Hermannswerder umziehen. Heute arbeiten circa 400 Menschen, die aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, auf der Potsdamer Halbinsel. Begleitet werden Sie dabei von 65 Mitarbeitenden. Eine Besonderheit der Werkstätten bietet die Vielfalt im Bildungs-, Förderungs-, Beschäftigungsund Arbeitsbereich.

Zum Angebot gehören auch Fahrradwerkstätten auf Hermannswerder und in Michendorf.

Zum Angebot gehören auch Fahrradwerkstätten auf Hermannswerder und in Michendorf.

Orientierung im Berufsbildungsbereich

Unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit soll durch die individuelle Hilfe jedem behinderten Beschäftigten, die volle Teilnahme am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht werden. Nach einem Eingangsverfahren wird in den Werkstätten jedem Menschen mit Anspruch auf Werkstattförderung eine zweijährige berufliche Förderung im „Berufsbildungsbereich“ und danach ein angemessener Beschäftigungsplatz angeboten.

Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten

Längst sind nicht nur die Digitalisierung, Aktenvernichtung und Landschaftspflege auf Hermannswerder zuhause, heute arbeiten die Beschäftigten in den verschiedensten Gebieten. So gibt es unter anderem eine Anlage für die Pulverbeschichtung von Gegenständen, eine Briefwerkstatt, in der Postsendungen kuvertiert werden, Fahrradwerkstätten, eine Stuhlflechterei und einen Montagebereich, in dem elektrische Schaltelemente für weltweit gelieferte Industrieanlagen montiert werden. Viele Kunden aus der Industrie, aber auch Privatpersonen, nehmen das Angebot der Werkstätten, gerne auch langfristig, in Anspruch.

Teilhabe am Arbeitsleben erfahren hier aber auch Menschen, die aufgrund der Schwere der Behinderungen nicht oder noch nicht werkstattfähig sind. Innerhalb einer  tagesstrukturierenden Maßnahme können diese betreut und gefördert werden.

Viele Unternehmen der Industrie und Dienstleistungsunternehmen sind Partner der AKTIVA Werkstätten.

Viele Unternehmen der Industrie und Dienstleistungsunternehmen sind Partner der Oberlin Werkstätten.

Brücke zu Unternehmen

Für manche Beschäftigten bilden auch Außenarbeitsplätze die Brücke zu Betrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei ist die Grundannahme und der Ausgangspunkt, dass Menschen mit Beeinträchtigung eine unterstützende Struktur zur Teilhabe am Arbeitsleben benötigen. Sie bleiben dann Beschäftigte der Werkstätten, sind aber in die Arbeitsabläufe im Unternehmen eingebunden. So beliefert zum Beispiel ein Beschäftigter die Filialen der Fahland-Bäckerei jeden Tag mit Backwaren. Ein anderer ist in der Nachbargemeinde für die Landschaftspflege zuständig.

Seit September 2014 ist Daniel Klappenbach neuer Geschäftsführer der Oberlin Werkstätten. Für ihn stehen die Beschäftigten an erster Stelle. Gemeinsam möchte er die erfolgreiche Arbeit der Werkstätten fortschreiben und neue Akzente setzen.

Auch für Rita entwickelt sich nach drei Jahren auf Hermannswerder etwas Neues. Sie beginnt in zwei Monaten auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz im Landesarchiv und kann so für den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt weiterhin auf den Rückhalt der Werkstätten mit der gewohnten Struktur und den sozialen Kontakten bauen.

Warum als Unternehmen mit den Oberlin Werkstätten zusammenarbeiten?

Nico Rybarczyk von der Holm GmbH antwortet: „Wir haben uns für eine Zusammenarbeit mit den Oberlin Werkstätten entschieden, weil uns das Preis- /Leistungsverhältnis, die hervorragende Qualität der fertiggestellten Produkte sowie die professionelle Arbeitsweise aller Beteiligten überzeugt haben. Besonders zufrieden sind wir mit der langjährigen Kontinuität der ausgeführten Arbeiten und der damit verbundenen Zuverlässigkeit. Die Arbeiten werden schnell und unkompliziert ausgeführt. Verpackung, Lagerführung und Logistik sind anstandslos. Lösungsansätze oder sogar Sonderanfertigungen von notwendigen Werkzeugen werden bei möglichen Problemen kurzfristig bereitgestellt. Wir sind mit der Zusammenarbeit und den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden und streben auch weiterhin die Fortführung unserer Geschäftsbeziehung an.“

Fotos: Wolfgang Bellwinkel